08. Mai 2009 Rheinische Post

Umgang mit dem Erbe der Künstler

Von Barbara Steingiesser

Wenn ein Schriftsteller gestorben ist, sorgen meist die Hinterbliebenen dafür, dass sein Nachlass an ein Literaturarchiv gegeben wird. Vielleicht hat er sich auch noch selbst um die Erhaltung seiner Manuskripte gekümmert und sie zu Lebzeiten als „Vorlass" dem Archiv anvertraut. Was aber geschieht mit den schriftlichen Hinterlassenschaften bildender Künstler? Sollen sie der Nachwelt für immer verloren gehen? Mit allen Fragen rund um die Archivierung von Künstlernachlässen befasst sich jetzt ein Bonner Kolloquium, mit dem auch eine Ausstellung verbunden ist.

„Wie brisant und wie hochsensibel dieses Thema ist, hat sich nicht zuletzt beim Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln gezeigt", erklärt Prof. Gertrude Cepl-Kaufmann, Leiterin des Instituts „Moderne im Rheinland" an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Mitglied des Kuratoriums des „Rheinischen Archivs für Künstlernachlässe" in Bonn. „In der gesamten Szene hat sich dadurch ein Bewusstsein entwickelt von der Bedeutung solcher Nachlässe, die in Archiven lagern. Ein Thema, das hier durch die Initiative eines „Rheinischen Archivs für Künstlernachlässe" schon lange aktuell ist, obwohl das Archiv selbst erst im vorigen Jahr als Stiftung bürgerlichen Rechts an die Öffentlichkeit getreten ist."

Aufgrund der Resonanz auf die Gründung entstand die Idee, durch ein Kolloquium diejenigen Gruppen miteinander zu vernetzen, die mit Künstlernachlässen zu tun haben: vom Künstler über Nachlasshalter, Archivare, Galeristen und Sammler bis zum Kunsthistoriker, der das Werk eines Künstlers oder einer rheinischen Künstlergruppe wissenschaftlich erforscht.

Durch die Kooperation mit dem Bonner Stadtarchiv ist die konservatorisch einwandfreie Lagerung der Archivalien gewährleistet, durch die Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn und dem „Arbeitskreis zur Erforschung der Moderne im Rheinland" an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität werden interdisziplinäre Forschungsansätze gefördert.

Vom Foto bis zum Reisepass

In der Ausstellung im Landesmuseum Bonn ist zu sehen, aus welchen Archivalien sich ein Künstlernachlass zusammensetzen kann. Daniel Schütz, Initiator und Leiter des Rheinischen Archivs, erläutert: „Das Spektrum eines Nachlasses reicht zum Beispiel bei dem Maler und Dichter Valentin Talaga (1894-1941) vom Reisepass über Fotos von Reisen - in diesem Fall nach Tripolis -, ein lyrisches Fragment und Zeitungskritiken bis zu einem Werkverzeichnis, das nach seinem Tod angefertigt wurde."Das Archiv verwahrt zurzeit die Nachlässe von 26 rheinischen Künstlern. „Zum Teil kommen die Erben auf uns zu, rufen uns an, weil sie von uns gehört haben", erklärt Daniel Schütz. „Doch der wichtigere Teil ist: Wir schauen aktiv: Wer ist interessant? Welcher Künstler muss für die Forschung erhalten bleiben?"

Info „Schätze aus dem Rheinischen Archiv für Künstlernachlässe" im
LVR-Landesmuseum Bonn, Colmantstr, 14-16; Kolloquium heute ab 14 Uhr,
Ausstellungseröffnung: 18.30 Uhr; bis 1. Juni