7. Juli 2017, Rhein-Zeitung

Damit die Kunst nicht mit dem Künstler stirbt

Sammlung: Das Rheinische Archiv für Künstlernachlässe besteht seit zehn Jahren

Von unserer Mitarbeiterin Heidrun Wirth
Bonn. Bilder bleiben hängen, wo sie sind, werden verkauft und verschenkt, oder sie verschwinden in den Depots der Museen - schon kurz nach dem Tod eines Künstlers weiß man oft kaum noch etwas Genaueres über ihn. Auf dieses Phänomen stieß auch der Kunsthistoriker Daniel Schütz, der bei seiner Magisterarbeit auf den in Vergessenheit geratenen Rheinischen Expressionisten Walther Rath gestoßen war, der von seiner Kunst her in die erste Liga gehörte.

Nach vergeblichen Besuchen in den Archiven kam Daniel Schütz zu der Überzeugung: „Ohne den dokumentarischen Nachlass ist ein Künstler kaum nachzuarbeiten." Aus dieser Erfahrung heraus gründete Schütz vor zehn Jahren das Rheinische Archiv für Künstlernachlässe (RAK), Diese Stiftung bürgerlichen Rechts ist zurzeit noch im Bonner Stadtarchiv untergebracht.

Inzwischen hat sich hier das biografische Vermächtnis von rund 100 bildenden Künstlern (Malern, Bildhauern, Grafikern, Fotografen und Architekten) gesammelt. Es sind Dokumente in Form von Briefen, Tagebüchern, Skizzen, Fotos, Urkunden, Zeugnissen, Ehrungen und Einladungskarten, die von den Erben oft achtlos in den Papierkorb geworfen werden. „Das ist wertvolles Quellenmaterial", so Schütz, „das zu Primärquellen für die Forschung werden kann," Deshalb sieht der Archivleiter seine Aufgabe auch in der Beratung der Nachlassnehmer.

Das RAK, das keinesfalls nur auf Bonn bezogen ist, sondern sich für alle Künstler der Region und darüber hinaus geöffnet hat, ist inzwischen schon auf 260 Regalmeter angewachsen und auf der Suche nach einem eigenen Domizil.

Das Archiv wächst zusehends, und doch muss dabei auch eine Menge abgelehnt werden, „Es kann nicht jeder damit rechnen, hier aufgenommen zu werden, sondern es muss schon eine Selektion stattfinden, sonst schüttet man sich mit Unbedeutendem zu", sagt der Museumsmann Dr. Hans Martin Schmidt, der neben anderen Kunstprofessoren im Kuratorium mitentscheidet. „Wir versuchen, ein gutes Niveau zu finden, nicht nur die Top Ten, aber auch nicht die Sonntagsmaler" , fügt er hinzu, denn so einfach ist es nicht immer, das Bleibende in der Kunst vorauszuspüren. 50 Prozent der Aufgenommenen gehören zu den bekannteren Künstlern, die übrigen sind weniger bekannt. Zurzeit bereitet sich das RAK auf das 100-Jahr-Jubiläum des rheinischen Expressionismus „Das junge Rheinland" vor. 20 Nachlässe in 25 bis 30 Regalmetern werden dafür aufgearbeitet. Wie mit der boomenden Kunst des 20. Jahrhunderts umzugehen sei, interessiert über das Rheinland hinaus, deshalb organisierte das Rheinische Archiv für Künstlernachlässe 2016 das Symposion „European Heritage" in der Bonner Bundeskunsthalle. „Wir sind in einer gewissen Spitzenreiterfunktion in einer bundesweiten Bewegung, die sich nun allmählich untereinander vernetzt", so Schmidt.

Heute schon ist das fachgerecht erschlossene Archiv des RAK voll benutzbar für alle Nachforschungen, und es wird wie die anderen Archive auch zunehmend digitalisiert werden.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.rakbonn.de oder per E-Mail an schuetz.daniel @ t-online.de