12. Juli 2017, Bonner Rundschau

Wertvolles Quellenmaterial

Rheinisches Archiv für Künstlernachlässe besteht seit zehn Jahren

VON HEIDRUN WIRTH
BONN. Die Bilder bleiben hängen, wo sie sind, oder sie werden verkauft und verschenkt oder verschwinden in den Depots der Museen. Oft aber weiß man schon kurz nach dem Tode eines Künstlers kaum noch etwas Genaueres über den verstorbenen Schaffenden.

So ging es dem Kunsthistoriker Daniel Schütz, der bei seiner Magisterarbeit auf den in Vergessenheit geratenen Rheinischen Expressionisten Walther Rath gestoßen war, der von seiner Kunst her in die erste Liga gehörte. Nach vergeblichen Besuchen in den Archiven kam er zu der Überzeugung: „Ohne den dokumentarischen Nachlass ist ein Künstler kaum nachzuarbeiten."

Aus dieser Erfahrung gründete Schütz vor zehn Jahren ein spezielles Archiv für Künstlernachlässe, das „RAK" (Rheinisches Archiv für Künstlernachlässe). Diese Stiftung bürgerlichen Rechts ist zur Zeit noch im Bonner Stadtarchiv untergebracht.

Inzwischen hat sich hier das biografische Vermächtnis von rund 100 bildenden Künstlern (Malern, Bildhauern, Grafikern, Fotografen und Architekten) gesammelt. Es sind Dokumente in Form von Briefen,
Tagebüchern, Skizzen, Fotos, Urkunden, Zeugnissen. Ehrungen und Einladungskarten, die von den Erben oft achtlos in den Papierkorb geworfen werden. „Das ist wertvolles Quellenmaterial", so Schütz, das „zu Primärquellen für die Forschung werden kann." Deshalb sieht der Archivleiter seine Aufgabe auch in der Beratung der Nachlassnehmer.

Das RAK, das keinesfalls nur auf Bonn bezogen ist, sondern sich für alle Künstler der Region und darüber hinaus geöffnet hat, ist inzwischen schon auf 260 Regalmeter angewachsen und auf der Suche nach einem eigenen Domizil.

Das Archiv wächst zusehends und doch muss dabei auch eine Menge abgelehnt werden. „Es kann nicht jeder damit rechnen, hier aufgenommen zu werden, sondern es muss schon eine Selektion stattfinden, sonst schüttet man sich mit Unbedeutendem zu", sagt „Museumsmann" Dr. Hans Martin Schmidt, der neben anderen Kunstprofessoren im Kuratorium mitentscheidet. „Wir versuchen, ein gutes Niveau zu finden, nicht nur die Top Ten, aber auch nicht die Sonntagsmaler", fügt er hinzu, denn so einfach ist es nicht immer, das Bleibende in der Kunst vorauszuspüren. 50 Prozent der Aufgenommenen gehören zu den bekannteren Künstlern und Künstlerinnen, die Übrigen sind weniger bekannt. Zur Zeit bereitet sich das RAK auf das hundertjährige Jubiläum zum Rheinischen Expressionismus „Das junge Rheinland" vor. 20 Nachlässe in 25 bis 30 Regalmetern werden dafür aufgearbeitet.

Wie mit der boomenden Kunst des 20. Jahrhunderts umzugehen ist, interessiert über das Rheinland hinaus, deshalb organisierte das RAK 2016 das Symposion „European Heritage" in der Bonner Bundeskunsthalle. „Wir sind in einer gewissen Spitzenreiterfunktion in einer bundesweiten Bewegung, die sich nun allmählich untereinander vernetzt", erklärt Hans Martin Schmidt. Heute schon ist das fachgerecht erschlossene Archiv des RAK voll benutzbar für alle Nachforschungen und es wird wie die anderen Archive auch zunehmend digitalisiert werden.

Weitere Informationen unter www.rak-bonn.de oder direkt an schuetz.daniel@t-online.de